Verschleierungstaktik im Supermarkt
Die Preise im Einzelhandel sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Verbraucherinnen und Verbraucher können Produkte zwar über den Preis und den Grundpreis vergleichen, um die günstigere Variante zu finden. Doch manche Hersteller nutzen verschiedene Strategien, die Preisvergleiche erschweren. So bleiben versteckte Preiserhöhungen oft zunächst unbemerkt.

Die Verbraucherzentrale Hamburg deckt seit vielen Jahren auf, welcher Mogeleien sich die Branche bedient. Hier sind einige der beliebtesten Praktiken.
Das Schrumpfprinzip
Das Schrumpfprinzip wird auch als Downsizing oder Shrinkflation bezeichnet. Dabei bleibt die Verpackung gleich groß oder verändert sich nur geringfügig, während sich der Inhalt reduziert wird. Der Verkaufspreis bleibt häufig unverändert, sodass Sie für dieselbe Packung effektiv mehr bezahlen.
Ein bekanntes Beispiel ist die Margarine Rama, deren Füllmenge von 500 auf 400 Gramm reduziert wurde. Das Produkt wurde von Verbraucherinnen und Verbrauchern zur „Mogelpackung des Jahres 2022“ gewählt.
Aktuelle Beispiele zeigen, dass diese Praxis weiterhin verbreitet ist. So wurde beispielsweise beim Milky-Way-Multipack die Anzahl der Riegel deutlich reduziert, was laut Verbraucherzentrale Hamburg zu einer versteckten Preiserhöhung von rund 38 Prozent führte.
Das Downgrading-Prinzip
Nicht selten geht das Downsizing mit Downgrading einher. Hierbei geht es um eine Verschlechterung der Produktqualität Dabei spart die Lebensmittelindustrie an wertvollen Zutaten wie Kakao, Haselnüssen, oder Kaffee und ersetzen diese teilweise durch günstigere Inhaltstoffe, Aromen oder Füllstoffe. Heraus kommt ein Produkt mit schlechterer Qualität.
Ein bekanntes Beispiel für das Downgrading Prinzip ist die Rezepturänderung von Nutella (pdf), bei der weniger Kakao und dafür mehr Magermilchpulver verwendet wurde.
Sie sollten insbesondere bei Hinweisen wie „Neue Rezeptur“ oder „Verbesserte Rezeptur“ genauer hinschauen und gegebenenfalls die Zutatenliste vergleichen.
Aktuelle Beispiele für Downgrading dokumentiert die Verbraucherzentrale Hamburg fortlaufend in ihrer Downgrading-Liste.
Das Pseudo-Günstiger-Prinzip
Größere Verpackungen wirken auf den ersten Blick oft wie ein Schnäppchen. Tatsächlich sind XXL-Packungen jedoch nicht automatisch günstiger als kleinere Varianten. Deshalb lohnt sich stets ein Blick auf den Grundpreis pro Kilogramm oder Liter.
Das Alles-neu-Prinzip
Die Wiedereinführung eines Produkts in einer neuen Verpackung und Aufmachung nutzen Hersteller, um die Füllmenge zu reduzieren und den Preis zu erhöhen. Insbesondere bei Hinweisen wie „verbesserte Rezeptur“ oder „Neue Rezeptur“ empfiehlt sich ein genauerer Blick.
Der Mengen- oder Portionstrick
Hierbei bleibt beispielsweise die Stückzahl eines Produkts gleich, während Gewicht oder Größe der einzelnen Portionen reduziert werden. So erhalten Verbraucherinnen und Verbraucher beispielsweise weiterhin dieselbe Anzahl an Schokoriegeln, Eiscremes oder Käsescheiben, obwohl jede einzelne Portion kleiner geworden ist. Die Veränderung fällt deshalb oft erst beim Blick auf die Füllmenge oder den Grundpreis auf.
Der Quantitätstrick
Veränderte Dosierempfehlungen zum Beispiel bei Wasch- oder Geschirrspülmittel führen dazu, dass größere Mengen des Produkts benötigt werden.
Der Händlertrick
Teilweise sind identische Produkte bei verschiedenen Händlern in unterschiedlichen Packungsgrößen im Angebot. Dadurch ist der direkte Preisvergleich erschwert. Umso wichtiger ist es, auf die ausgewiesenen Grundpreise zu achten.
Der Sammelpacktrick
Mehrfach- oder Sammelpackungen vermitteln häufig den Eindruck eines Preisvorteils. Tatsächlich können die enthaltenen Einzelpackungen kleiner sein oder sich der Grundpreis als höher erweisen als bei vergleichbaren Produkten.
Das Thema Mogelpackungen interessiert Sie?
Die Verbraucherzentrale Hamburg pflegt eine bundesweit einzigartige Mogelpackungsliste mit versteckten Preiserhöhungen auf der Basis eigener Recherchen und vieler Hinweise aufmerksamer und verärgerter Verbraucher.
Wenn Sie Mogelpackungen oder versteckte Preiserhöhungen entdecken, können Sie diese der Verbraucherzentrale Hamburg melden. Die Hinweise helfen dabei, versteckte Preiserhöhungen aufzudecken und öffentlich zu machen.

