Umfrage zeigt, wo es beim Glasfaserausbau hakt
Verbraucherzentrale Niedersachsen sieht Handlungsbedarf bei Informationspflichten und Mehrkosten
Eine aktuelle Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentrale Niedersachsen zeigt: Unzureichende Informationen, Verzögerungen bei der Freischaltung und teils erhebliche Mehrkosten sind die Hauptprobleme beim Glasfaserausbau. Die geplante Novelle des Telekommunikationsgesetzes müsse Anbieter daher stärker in die Pflicht nehmen, Kundinnen und Kunden umfassend über Abläufe und Kosten zu informieren, fordert die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Zudem müsse Festnetz und Internet auch zukünftig für alle bezahlbar bleiben.
Der Ausbau des Glasfasernetzes gilt als wichtige Voraussetzung für die digitale Zukunft. Doch eine repräsentative Befragung von 1.000 Glasfasernutzerinnen und -nutzern in Niedersachsen zeigt: Der Weg zum Anschluss verläuft nicht immer reibungslos. Rund ein Drittel der Befragten hätte sich mehr Informationen zum Ablauf und zur Technik gewünscht. 21 Prozent geben an, Probleme im Zusammenhang mit dem Glasfaseranschluss erlebt zu haben. Neben technischen Problemen, werden am häufigsten Verzögerungen beim Ausbau und bei der Freischaltung genannt.
Mehrkosten für den Ausbau und teurere Tarife
Bei einem Teil der Kundinnen und Kunden wird der Ausbau zudem teurer als erwartet. Die Spanne reicht von bis zu 50 Euro bis über 500 Euro, durchschnittlich betragen die Mehrkosten laut Umfrage 450 Euro. „Nicht selten sind die letzten Meter von der Straße zum Grundstück oder vom Keller in die Wohnräume nicht im Preis inbegriffen“, erklärt Jana von Bibra, Rechtsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Betroffene sind dann meist überrascht, die Hausverkabelung zusätzlich beauftragen zu müssen. „Solche unerwarteten Zusatzkosten untergraben das Vertrauen in den Glasfaserausbau", kritisiert von Bibra.
Auch die monatlichen Mehrkosten für den Glasfaseranschluss variieren laut Umfrage stark. Im Durchschnitt liegen sie bei 28,70 Euro. „Längst nicht alle Verbraucherinnen und Verbraucher benötigen die höhere Leistung. Doch in vielen Regionen wird es bald keine Alternative mehr geben. Damit Festnetz und Internet für alle bezahlbar bleiben, muss es auch günstige Glasfasertarife geben“, fordert von Bibra.
Neues Telekommunikationsgesetz soll Abhilfe schaffen
Mit einer geplanten Novelle des Telekommunikationsgesetzes will die Bundesregierung den Glasfaserausbau beschleunigen, bürokratische Hürden abbauen und dadurch Kosten reduzieren. Dafür soll beispielsweise ein „Recht auf Vollausbau“ kommen: Anders als bisher, sollen Anbieter in Mehrparteienhäusern alle Wohnungen in einem Schritt mit Glasfaser erschließen können – auch ohne Zustimmung der Eigentümerinnen und Eigentümer. Die Umfrage zeigt, dass Haus- und Wohnungseigentümer in diesem Punkt zweigeteilter Meinung sind: 48 Prozent der Befragten fänden einen solchen Vollausbau in Ordnung, 52 Prozent nicht. „Verbraucherinnen und Verbraucher befürchten, dass ihr Recht auf Eigentum beschnitten wird und einzelne Unternehmen eine unangemessene Monopolstellung erhalten“, erklärt von Bibra. „Mit der neuen Gesetzgebung muss sichergestellt werden, dass Endkundinnen und -kunden ihren Anbieter weiterhin frei wählen können und die Kostenbelastung für alle tragbar bleibt.“
Verbraucherzentrale fordert klare Kostentransparenz
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen begrüßt das Ziel eines schnelleren Glasfaserausbaus grundsätzlich. Der Bürokratieabbau dürfe aber nicht zulasten der Transparenz und der Verbraucherrechte gehen.
„Glasfaser ist ein wichtiger Baustein für die digitale Zukunft. Damit der Ausbau breite Akzeptanz findet, müssen Verbraucherinnen und Verbraucher von Beginn an wissen, welche Leistungen sie erhalten und welche Kosten tatsächlich entstehen. Schneller Ausbau und starker Verbraucherschutz dürfen kein Widerspruch sein“, so von Bibra.
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