Trotz Rückruf: Belastete Babynahrung gelangte bei Kaufland erneut in den Verkauf

Pressemitteilung vom 16. Oktober 2026

Verbraucherzentralen pochen auf mehr Sorgfalt

In Kaufland-Filialen ist zurückgerufene Säuglingsnahrung der Marken Aptamil, Milumil und Beba, trotz bestehender Gesundheitswarnungen, verkauft worden. Die Verbraucherzentralen kritisieren dieses Versagen der Kontrollmechanismen und raten Eltern dringend, ihre Vorräte zu überprüfen und betroffene Produkte keinesfalls weiter zu verwenden. 

Mehrere Chargen an Säuglingsnahrung der Hersteller Nestlé und Danone waren seit Anfang des Jahres von Rückrufen betroffen, da sie möglicherweise mit dem Giftstoff Cereulid verunreinigt sind. Aktuell warnt Kaufland, dass bereits zurückgerufene Chargen von Aptamil, Milumil und Beba in einer unbekannten Anzahl an Filialen weiterhin zum Verkauf angeboten wurden. Aus Sicht der Verbraucherzentrale Niedersachsen verstößt das Unternehmen damit gegen seine Sorgfaltspflicht: „Aus unserer Sicht ist das ein fundamentales Versagen der firmeneigenen Kontrollmechanismen“, kritisiert Constanze Rubach, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Es gibt noch nicht einmal einheitliche Warnhinweise an den Regalen. Das grenzt an Fahrlässigkeit und ist kein guter Verbraucherschutz. Es geht hier schließlich um die empfindlichste Verbrauchergruppe.“ Mittlerweile wurden laut Aussage des Händlers sämtliche betroffene Produkte aus den Regalen entfernt.

Was sollten Eltern tun, die ein betroffenes Produkt gekauft haben?

„Wer noch bei Kaufland erworbene Säuglingsnahrung von Aptamil, Milumil oder Beba zu Hause vorrätig hat, sollte unbedingt prüfen, ob es sich um die zurückgerufene Ware handelt und sie auf keinen Fall weiterverwenden“, betont Rubach. Eltern können die Chargennummer prüfen und sich bei Fragen an den Händler oder Hersteller wenden. Dort gibt es Informationen zur Rückgabe oder Erstattung. Zeigt das Kind nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, sollten Eltern eine Arztpraxis aufsuchen. 

Was ist Cereulid und wie gelangt es in Babynahrung?

Cereulid ist ein Giftstoff, der vom Mikroorganismus Bacillus cereus gebildet wird. Dieses weltweit verbreitete Bodenbakterium kann über Rohstoffe oder Staub in Lebensmittel gelangen. Schon geringe Mengen des Toxins können Beschwerden auslösen. Sie treten häufig 30 Minuten bis sechs Stunden nach dem Verzehr auf, vor allem Übelkeit und starkes Erbrechen, Durchfall und/oder Bauchschmerzen. Meist klingen die Symptome innerhalb eines Tages ab. Babys sind in den ersten sechs Monaten durch den Flüssigkeitsverlust besonders gefährdet. Eltern sollten auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und bei anhaltenden Beschwerden oder einem schlechten Allgemeinzustand des Kindes umgehend eine Kinderarzt-Praxis aufsuchen. 

Wichtig: Bleibt angerührte Säuglingsnahrung längere Zeit bei Raumtemperatur oder warm stehen, können sich die Bakterien stark vermehren und Cereulid bilden. Das Toxin ist hitzestabil und wird durch erneutes Erwärmen nicht zerstört. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät, Säuglingsmilch immer frisch zuzubereiten, nicht aufzubewahren und nicht wieder aufzuwärmen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Verbraucherzentrale Niedersachsen. 

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